Segler-Verband Sachsen e.V.

(SVS)

100 Jahre Vereinssegeln in Sachsen

100 Jahre Vereinssegeln in Sachsen und 20 Jahre Segler-Verband Sachsen
Nach der Festveranstaltung zur Beach und Boat 2010, den Seglerbällen in Dresden und Leipzig soll nun mit dem Seglertag zur Beach und Boat 2011 das Jubiläumsjahr enden. Aus diesem Anlass eine Kurzfassung der sächsischen Segelgeschichte:

Am 1. August 1910 gründete sich der erste sächsische Segelverein, der Dresdner Segelclub (s. SZ). 11 Jahre später im Jahr 1921 fanden sich wassersportbegeisterte Pirnaer zusammen, um den „Verein der Wassersportfreunde Pirna“ zu gründen, der 1927 in Segelclub Albatros Pirna umgegründet wurde.

In den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es dann im Bereich der Elbe weitere VereinsgrĂĽndungen, so 1931 der MeiĂźner Seglerverein und der Dresdner Segelverein (an der Pillnitzer Insel).

Neben den Elbseglern haben die Leipziger Segler die zweitälteste Segel-Tradition in Sachsen. Die ersten Leipziger segelten auf dem Auensee bei, heute in Leipzig und dem Elsterhochflutbecken mitten in der Stadt in der Nähe vom Zentralstation gelegen.
Im Jahre 1919, ein Jahr nach dem Ende des 1. Weltkrieges, gründete sich der Verein für Kanusport in Leipzig, an sich ein Datum welches man als Segelsportler sicher überlesen hätte, wenn dieser Verein nicht fünf Jahre später, 1924 Mitglied im Deutschen Seglerbund (DSB) geworden wäre.

1924 wurde ein zweiter Leipziger Verein Mitglied im DSB, die Segelvereinigung Leipzig e.V. (S.V.L.), ebenfalls am Elsterbecken beheimatet im gleichen Jahr gegrĂĽndet.

Um 1936 bis 1938 erfolgt der Umzug der Leipziger Segler zum Elsterstausee bei Markkleeberg.

Zwischen den zwei Weltkriegen war der Segelsport in Deutschland sehr zersplittert, neben dem eher bürgerlichen Verbänden DSV und DSB gab es den eher sozialdemokratisch orientierten Freien Segler- Bund (FSB) und die kommunistische Rot-Sport- Bewegung. Die Geschichte der arbeitersportlichen Vereine ist durch Naziherrschaft und Kriegsfolgen zu großen Teilen verloren gegangen. Organisatorisch gehörten zumindest die DSB- Seglern aus Dresden, Leipzig, Pirna und den tschechischen Orten Aussig, Leitmeritz und Hirschberg/ Thammühl im DSB zur Gruppe Oberelbe, die anfangs von Arthur Berger und später von Friedrich Schmidt (beide Dresdener SC) geleitet wurde. In den ersten Jahren gehörten auch die Segler der Mittelelbe dazu, die dann später eine eigene Gruppe Mittelelbe gründeten.

Im Jahre 1933 verzeichnet das Jahrbuch des durch die nationalsozialistische Diktatur zwangsvereinigten Deutschen Segler-Verbandes Gerhard Müller als sächsischen Seglerchef, der auch nach dem Krieg als Cheforganisator der Motorbootrennen auf der Elbe in Dresden- Loschwitz bekannt geworden ist. Übrigen ein Ereignis, an dem die Elbsegler anfangs mitwirkten.

Im Jahre 1946 lässt die sowjetische Besatzung- Administration den Segelsport wieder zu. Es beginnt die Segeltätigkeit auf der EIbe und auf dem Elsterstausee, die alten Segelvereine gehen in Segelsektionen innerhalb von Betriebssportgemeinschaften (BSG) auf.

Am 1.10.1946 wird die erste Regatta auf dem Elsterstausee von der „Sportgemeinschaft Fichte“ ausgetragen. Ein weiterer Höhepunkt der sächsischen Segelgeschichte ist die erste sächsische Landesmeisterschaft im Segeln am 1.und 2. Juli 1950 auf dem Leipziger Elsterstausee . Der Landessportausschuss Sachsen, Sparte Segeln ist derzeit namentlich nicht ganz genau hinterlegt, wurde aber wohl damals von Martin Bitterlich ( Dresden- Pillnitz) geführt.

Bis 1952 sollte es zwei weitere sächsische Meisterschaften geben, danach schaffte die Regierung der DDR 1952 die Länder und damit auch den Freistaat Sachsen ab.

An Stelle der Landesmeisterschaften kamen sogenannte Drei - später Vier-Städte-Wettkämpfe sowie die Bezirksmeisterschaften der Bezirke Dresden, Leipzig und später auch Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz).

In den 1950iger Jahren schaffte der Bund Deutscher Segler der DDR (BDS) neue regionale Strukturen. Es wurden die BezirksfachausschĂĽsse (BFA) Segeln gebildet.

In den 50iger Jahren erlebte der Segelsport einen Aufschwung, auch weil die Segler neu entstandene Seen besiedelten, so den in den letzten Kriegsmonaten gefluteten Knappensee bei Hoyerswerda.

Aus einem Kegelverein entwickelte sich erst 1954 die Kriebsteiner Außenstelle der BSG Aufbau Dresden-Nord, die heute als Segelverein Talsperre Kriebstein zu der Sportvereinigung Motor Hainichen gehört.

Damit gab es nun neben den Elbsegler, den See-Seglern aus Leipzig und vom Knappensee eine dritte Kategorie, die Schluchtensegler.

Weitere Segelreviere folgten 1956 mit der Talsparre Pirk und 1963 mit der Talsperre Pöhl.
Übrigens waren um 2000 ca. ein Drittel der im SVS organisierten sächsischen Segler in den 5 an der Pöhl beheimateten Vereinen organisiert.

In den 1970iger Jahre wurden drei weitere Segelreviere für den Segelsport erschlossen, der Bautzener Stausee, der Stausee Quitzdorf und der Kulkwitzer See bei Leipzig/ Markranstädt.

Nach der politischen Wende in der DDR begann die Neuordnung des Segelsports in Sachsen. Aus drei Bezirken musste wieder das Land Sachsen zusammenwachsen, nicht ganz einfach, wenn die Regattareviere immer am jeweils äußersten Rand Sachsens liegen.

Die Segelsektionen der Betriebssportgemeinschaften (BSG) gründeten sich als eingetragene Vereine neu oder gehörten als Abteilung Segeln ihren aus den BSGs hervorgegangenen Mehrspartenvereinen weiterhin an.

Am 28. März 1990 fand die offizielle Gründungsversammlung des Segler- Verbandes Sachsen (SVS) statt. Die Gründungsväter waren Claus Eisold (SG LVB Leipzig), Dr. Dietmar Küntscher (DSC), Dr. Reiner Pommer (Windsurfingclub Leipzig), Wolfgang Rode (SSGR), Dr. Achim Urland (OSC) und Günter Werner (SSGR).

Ein viertel Jahr später am 26.01.1991 erfolgte auf dem ersten sächsischen Landesseglertag in Leipzig die Wahl des ersten Vorstandes. Günter Werner wurde als Vorsitzender gewählt. Weitere Mitglieder im Vorstand wurden Claus Eisold (Stellvertreter), Dr. Reiner Pommer (Schriftführer), Lutz Diestel (Segelsurfen), Wolfgang Rode (Wettsegeln). In den folgenden Jahren galt die Aufmerksamkeit des Vorstandes der Schaffung neuer Strukturen und der Festigung des Sportbetriebes. Der Seglertag 2003 wählte Dr. Jens Tusche zum neuen Präsidenten und den scheidenden Präsidenten Günter Werner zum Ehrenpräsidenten.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends bekamen wir neue Wassersport-Reviere. Im Jahre 2000 war die offizielle Freigabe des ersten gefluteten Braunkohlerestloches, des Cospudener See bei Leipzig für den Segelsport, ein Jahr später am 23. Juni 2001 findet mit einem Lauf der Opti-Ostsachsen- Liga die offizielle Erstbesegelung des Geierswalder Sees statt.

Die jüngsten sächsischen Segelreviere sind der Berzdorfer See, der Bärwalder See und der Schladitzer See. Und noch immer werden weitere Seen folgen!

Die sächsischen Verbandsvereine bieten jährlich fast 100 Veranstaltungen: Ranglistenregatten, Landesmeisterschaften, Vereinsregatten, Jugendregatten, breitensportliche Veranstaltungen und vieles mehr. Bisher wurden innerhalb des Verbandes sieben – inzwischen acht - Deutsche Meisterschaften mit Erfolg durchgeführt. Im Jahr 2010 organisierte der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland auf dem Geierswalder See die IDJM in der Klasse 420 mit dem besonderem Höhepunkt, das der sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich als Schirmherr gewonnen werden konnte.

Im Jahr 2007 organisiert der SVS zusammen mit dem DSV den Deutschen Seglertag in Leipzig, ein Novum - erstmals ist damit ein kleiner Landesseglerverband „Organisator“ dieses Segler- Events und ab dem Jahr 2008 sind wir ideeler Förderer der 2009 erstmals veranstalteten sächsischen Wassersportmesse Beach und Boat.
(Auszug aus der Rede des SVS-Präsidenten zur Jubiläumsveranstaltung 2010)